Theater zwischen neuen Küchen in Velbert
Interliving Rehmann in Velbert ist seit Jahrzehnten Teil der Region – doch an drei Abenden wurde das Möbelhaus zur Bühne. Velbert ist keine klassische Theaterstadt. Und doch wurde mitten in einer Ausstellung genau das möglich: Kultur zwischen Küchenzeilen und Sofalandschaften.
Wer an einem Freitagabend bei Interliving Rehmann vorbeikam, sah ein ungewohntes Bild. Statt Einkaufsverkehr strömten Besucherinnen und Besucher nach Ladenschluss in die Ausstellung. Zwischen Esstischen und Wohnlandschaften wurde gespielt, gelacht und applaudiert.
Theater ohne klassische Bühne
Das Stück „Herren“ verwandelte das Möbelhaus für kurze Zeit in einen kulturellen Treffpunkt. Die Komödie erzählt von drei Mitarbeitern eines Velberter Kaufhauses, die am Tag vor Weihnachten unfreiwillig im Laden eingeschlossen werden. Die Handlung spielt im Jahr 1974 – mit entsprechendem Zeitkolorit, pointierten Dialogen und lokalem Wiedererkennungswert.
Das Besondere war jedoch nicht allein das Stück – sondern der Ort. Die Zuschauerinnen und Zuschauer nahmen mitten im Ausstellungsbereich Platz. Stühle aus dem Sortiment wurden kurzerhand zu Theaterplätzen. Bühne und Alltag lagen nur wenige Schritte auseinander. Diese Nähe schuf eine Atmosphäre, die klassische Veranstaltungsräume kaum erzeugen können.
Ein bewusst gesetztes Signal
Dass ein Möbelhaus seine Verkaufsfläche für Kultur öffnet, ist kein alltägliches Bild in Velbert. Für Geschäftsführer Marc Rehmann war die Idee dennoch naheliegend. Seit 1887 ist das Unternehmen in der Region verwurzelt.
„Wir verdienen hier seit 1887 unser Geld. Da war es an der Zeit, Velbert etwas zurückzugeben.“
Der Abend wirkte weniger wie eine Marketingmaßnahme, sondern vielmehr wie ein kulturelles Angebot an die Stadt. Keine Produktpräsentationen, keine Verkaufsaktionen – stattdessen Begegnung, Humor und Gespräche nach der Vorstellung.
Engagement hinter den Kulissen
Möglich wurden die Abende nicht allein durch die Schauspieler. Mitarbeitende unterstützten beim Auf- und Umbau, halfen bei der Organisation und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Auch lokale Unterstützer trugen zum Gelingen bei.
Die Veranstaltungen waren schnell ausgebucht – ein Zeichen dafür, dass niedrigschwellige Kulturangebote in der Region auf Resonanz stoßen.
Mehr als nur drei Abende
Nach dem letzten Applaus blieb vor allem eines: das Gefühl, dass Räume mehr sein können als ihre ursprüngliche Funktion. Für ein paar Stunden wurde aus einer Verkaufsfläche ein Treffpunkt. Menschen kamen ins Gespräch, erinnerten sich an frühere Zeiten oder diskutierten einzelne Szenen des Stücks.
Ob es eine Fortsetzung geben wird, bleibt offen. Der Zuspruch spricht jedoch dafür, dass die Verbindung aus Kultur und regionalem Unternehmertum auf Interesse stößt.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe „Aus der Region“, in der wir lokale Initiativen, Unternehmen und kulturelle Projekte vorstellen. Weitere persönliche Geschichten und Beobachtungen finden Sie in unseren Erzählungen.
