Survival Training startet bei mir persönlich schon mit der Entscheidung, mein Handy über Nacht auszuschalten. Aber auch für diejenigen, die hiermit deutlich realistischere Anforderungen verbinden, klingt der Begriff oft direkt nach Extremsituation.
Ich durfte allerdings eine andere Erfahrung machen. Sogar zweimal. Ich habe an unterschiedlichen Survival Trainings teilgenommen, offensichtlich überlebt und kann nun sagen, dass das Ganze intensiv, extrem lehrreich und vor allem überraschend entschleunigend war.
Warum ich mich damals überhaupt angemeldet hatte? Ich glaube, es war die Neugierde. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, sich auf die Natur einzulassen und herausfinden, was ich kann und an welchen Stellen ich eventuell an meine Grenzen stoße. Vielleicht hat es mich auch einfach nur interessiert, inwieweit mich ein nicht-durchgetakteter Alltag anspricht.
Vorweg: Beim Survival-Training geht es nicht um Leben und Tod
… auch, wenn die Bezeichnung vielleicht etwas anderes vermuten lässt. Viele denken allein schon bei dem Wort „Survival-Training“ an dramatische Szenen, ohne Schlaf und daran, in der Wildnis komplett auf sich allein gestellt zu sein. In den beiden Trainings, die ich erlebt habe, ging es allerdings um Verständnis für die Natur, um Improvisation und um Teamgeist.
Typische Fragen, die sich früher oder später immer stellen dürften, sind unter anderem…:
- Wie mache ich ohne Feuerzeug ein Feuer?
- Wie baue ich eine Unterkunft?
- Welche Pflanzen kann ich essen? Und welche nicht?
- Wie orientiert man sich im Gelände?
Und schon zeigt sich: Hier geht es nicht darum, eine Heldengeschichte zu schreiben, sondern darum, Kompetenzen aufzubauen und Vertrauen zu finden… sowohl in sich selbst als auch in die Gruppe.
Ein Grillrost aus Holz: Eine von vielen Überraschungen
Wusstet ihr zum Beispiel, dass es möglich ist, aus Holz und ohne jegliche Form von Hightech einen Grillrost zu bauen? In meinem Fall war das Teil eines Survival Trainings im Adventure Alftal. Eigentlich braucht es hierzu nur das, was der Wald hergibt. Es wird gesägt, geschnitzt und bei Bedarf neu angesetzt. Eigentlich braucht es hierzu nur das, was der Wald hergibt. Es wird gesägt, geschnitzt und bei Bedarf neu angesetzt.
Und dann kam auch schon dieser Moment, in dem Forellen aus dem Bach, Gemüse und Co. gegrillt wurden. Ich verrate sicherlich kein Geheimnis, wenn ich sage, dass Essen, das auf diese Weise auf einem selbstgebauten Grill zubereitet wurde, einfach besser schmeckt. Authentischer geht es doch einfach nicht!
Ein Detail, das mir zudem immer in Erinnerung bleiben wird, ist die Wald- und Kräuterkunde. Wer weiß, was um ihn herum wächst, sieht nicht mehr „irgendwelches Grün“, sondern sieht schnell, was essbar ist und was nicht, was gegebenenfalls heilend wirkt und was man stehen lassen sollte. Es entsteht (ein gewisses Grundinteresse vorausgesetzt) ein Blick für die Details.
Feldwanderungen mit der ein oder anderen Überraschung
Klar: Zu einem klassischen Survival Training gehört es auch, zu wandern. Oft durch Felder. Und gerade in diesem Zusammenhang habe ich einmal mehr bemerkt, dass Muttis „Schau, wo du hintrittst!“ oft wichtiger als gedacht ist. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal ein Zeckennest gesehen oder (wie mein Kumpel) komplett hindurchgelaufen seid.
Das Ende vom Lied: Er musste mehr als 30 (!) Zecken entfernen. Und falls ihr genau jetzt Gänsehaut bekommt, könnt ihr euch sicher sein: Ihr seid nicht allein.
Am Ende muss man aber so realistisch sein, um einzusehen, dass auch Erlebnisse wie diese dazugehören. Natur ist eben nicht nur romantisch, sondern auch manchmal erschreckend real… und ein wenig eklig.
Heute kann mein Kumpel darüber lachen. Damals fand er das Ganze (verständlicherweise) eher weniger witzig.
Am Ende bleiben die vielen wunderschönen Abende am Lagerfeuer
Klar: Die praktischen Übungen, die ich bei meinen beiden Survival Trainings mitgenommen habe, waren interessant. Sie haben mich aufgeklärt und mir Selbstbewusstsein gegeben. Aber das, was mit am stärksten (und bis heute) nachwirkt, sind die Abende am Lagerfeuer. Mit Menschen, die man entweder sehr gut oder eigentlich gar nicht kennt, aber die sich für die gleichen Dinge begeistern können.
Wenn es dann dunkel wird und das Holz im Feuer knackt, entstehen oft Gespräche, die im normalen Alltag mit ziemlicher Sicherheit nicht entstanden wären. Kein Wunder! Immerhin lenkt hier nichts ab. Es gibt keine Push-Nachrichten und keine Termine.
Und genau deswegen fällt es so leicht, runterzukommen.
Irgendwie ist es auch witzig. Man sitzt mit Menschen zusammen, die man teilweise erst seit wenigen Stunden kennt, und spricht über Themen, die auf einmal die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Über Ängste, Wünsche und vielleicht auch über Lebensfragen.
Ich bin immer noch der Meinung, dass der Wald Menschen dabei hilft, sich aus ihren gewohnten Rollen zu lösen.
Auch die mentale Stärke kann profitieren
Natürlich braucht es für die Teilnahme an einem Survival Training ein gewisses Fitness-Level. Aber auch die mentale Stärke spielt eine wichtige Rolle. Dieser Aspekt wird meiner Meinung nach allerdings schnell unterschätzt.
Dabei sind die Fähigkeiten, die in psychologischer Hinsicht relevant werden können, mindestens genauso relevant.
Ihr lernt zum Beispiel, mit Müdigkeit umzugehen, (je nach Situation) Frust auszuhalten, euch kleinere Etappenziele zu setzen und im Moment zu bleiben.
Vor allem der letztgenannte Punkt geht im Alltag leider oft verloren. Aber: Im Wald funktioniert Multitasking nicht… oder zumindest nur sehr schwer. Dieses Phänomen wirkt befreiend.
Wahrscheinlich erklärt genau das auch die Tatsache, dass ich mich nach meinen beiden Survival Trainings in der Vergangenheit nicht ausgelaugt, sondern sortiert gefühlt habe. Die Natur relativiert eben vieles. Auch das, was uns im Alltag mehr beschäftigt, als es müsste. Irgendwie hatte ich ein wenig das Gefühl, das fortzuführen, was ich schon im März erlebt habe – nur auf eine ganz andere Art.
Aus meiner persönlichen Erfahrung: Worauf sollte man achten, wenn man ein Survival Training bucht?
Auch wenn ich bisher „nur“ zwei Survival Trainings mitgemacht habe: Meine Erfahrungen reichen aus, um zu wissen, wie sich die entsprechenden Angebote voneinander unterscheiden können.
Mit die wichtigste Erkenntnis ist sicherlich, dass ihr keine Extremsportler sein müsst, um teilzunehmen. Allerdings ist es ratsam, sich im Vorfeld über wichtige Randdaten, wie die zurückzulegende Strecke, die Gruppengröße und die Frage, ob Vorkenntnisse vorhanden sein sollten, zu informieren.
Ihr sucht nach Events rund um Survival Training in eurer Nähe, denen ihr euch anschließen könnt? Schaut gern auf den Seiten von Doitactive vorbei! Und keine Sorge: Solltet ihr in eurem Freundes- oder Familienkreis niemanden finden, der dazu bereit ist, sich mit euch ins Abenteuer zu stürzen: Vor Ort fühlt ihr euch definitiv nicht allein.
