29. Mai 2026

Der Flachsmarkt auf Burg Linn: Wenn sich ein Hauch Mittelalter um Krefeld legt…

Jedes Jahr verwandelt sich Burg Linn in eine lebendige Mittelalterwelt. Zwischen Handwerk, Geschichte und besonderen Begegnungen zieht der Flachsmarkt zahlreiche Besucher in seinen Bann.
Besucher erleben traditionelles Handwerk am Spinnrad auf dem Flachsmarkt an der Burg Linn in Krefeld.

Dass es falsch wäre, das Mittelalter ausschließlich als „dunkel“ zu bezeichnen, fällt spätestens beim Blick auf die vielen strahlenden Menschen auf, die sich ihren Weg jedes Jahr zu Pfingsten durch die Stände rund um Burg Linn bahnen. Der Flachsmarkt hat sich schon lange zu einer Art Institution entwickelt.

Er sorgt dafür, dass es nicht schwerfällt, sich in eine andere Zeit zu träumen. In eine Zeit der Ritter, der Turniere und in eine Zeit, in der man seine Klamotten eben noch nicht im Internet bestellt hat, sondern warten musste, bis der örtliche Schneider verfügbar war.

Und auch in diesem Jahr lud die Location zu einer besonderen Zeitreise ein.

Zwischen Hutmacher, Bernsteinschmuck und Food Trucks

Das Besondere am Flachsmarkt rund um Burg Linn ist, dass es hier quasi nichts „Neumodisches“ zu kaufen gibt. Wer kennt sie nicht? Die Flohmärkte, bei denen man schnell von Plastikartikeln unterschiedlicher Art fast schon erschlagen wird und sich fragt, was aus „nachhaltig“ und „Second Hand“ geworden ist?

Auf dem Flachsmarkt galten auch an diesem Pfingstwochenende wieder andere Regeln. Hier wurde selbst produziert. Wer den kompletten Rundweg in Angriff nimmt und sich Zeit nimmt, um eine ganz besondere Atmosphäre aufzusaugen, stößt auf Glasbläser, Menschen, die Ritterrüstungen nachbauen, auf Sängerinnen und auf Wäscheleinen, auf denen Unterröcke im Mittelalter-Stil hängen.

Und weil es sich viele Besucher nicht nehmen lassen, in Gewandung aufzutauchen, ist die Illusion perfekt. Wie immer kommt der Gedanke: „Nächstes Mal brauche ich auch ein passendes Outfit!“

Ein spannendes Ritterturnier mit „Handgeklapper“

Hierbei handelt es sich sicherlich um eines der absoluten Highlights des Krefelder Flachsmarkts: das Ritterturnier. Hier sitzt man tatsächlich hoch zu Ross. Es geht allerdings (anders als vor hunderten von Jahren) nicht um Leben und Tod, sondern glücklicherweise „nur“ um die Ehre. Ausgestattet mit Lanzen werden verschiedene Ziele anvisiert.

Ob es bei den Turnieren des Mittelalters bereits Mikrofone gab, die den ganzen Platz beschallten, sei dahingestellt. Fest steht: Darum geht es nicht. Und genaugenommen fragt auch keiner nach. Warum auch über moderne Technik nachdenken, wenn man stattdessen live zuschauen kann, wie Pferd und Reiter zu einer Einheit werden… bevor es für die Vierbeiner wieder auf die Wiese und für ihre Besitzer zum Getränkestand geht?

Tiere auf dem Flachsmarkt: von Hund bis Schlange

Dass Tiere schon seit Menschengedenken für die Gesellschaft eine wichtige Rolle gespielt haben, ist nichts Neues. Rund um Burg Linn zeigt sich allerdings einmal mehr, dass sich manche Dinge eben nie ändern.

So bringen viele Besucher ihre Hunde mit. Und diese müssen nicht zwangsläufig besonders „schreckerprobt“ sein. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es auf dem Flachsmarkt ohnehin eher gemütlich zugeht. Ja, es gibt einen Dudelsackspieler und hin und wieder hört man aus der Ferne das Getrappel der Post-Pferdekutsche. Lauter wird es allerdings nicht.

Und genau das bringt ein unglaublich schönes Gefühl der Entschleunigung mit sich, das den Blick auf das Handy irgendwie unnötig erscheinen lässt. Man ertappt sich dabei, zu denken, dass es doch eigentlich nichts anderes braucht als das Hier und Jetzt. Hört sich theatralisch an? Mag sein.

Gleichzeitig dürften sich einige Besucher bei der Atmosphäre vor Ort dabei erwischen, zu denken, dass die Zeiten, in denen man Nachrichten nur aus der Zeitung las, auch schön waren. Und wie entspannt muss das Leben erst gewesen sein, wenn man den Marktschreier ausnahmsweise mal verpasst hatte?

Und überhaupt: Macht es nicht sowieso mehr Spaß, sich bei einem Stand mit Tieren, von Kaninchen bis Ziege, von deren Gemütlichkeit anstecken zu lassen?

Kinder ohne Smartphones, aber mit Glück im Gesicht

Besonders spannend ist es immer wieder, dass sich die „Rittersleut‘“ offensichtlich auch keine Sorgen um ihren Nachwuchs machen müssen. Manche Hartgesottene lassen es sich nicht nehmen, im Ritterlager auf dem Flachsmarkt zu schlafen. Auch viele Kinder gehören zum „Gefolge“.

Was auffällt? Die klassische Haltung (Kopf nach unten auf das Display gerichtet) fehlt. Stattdessen trifft man immer wieder auf Kinder, die in weißen Leinen gekleidet sind, mit Holzschwertern spielen oder einfach mit ihren Eltern am Feuer sitzen. Und das Schöne: Sie wirken zufrieden… und mindestens genauso entspannt wie die Großen.

Vielleicht, weil es keine Reizüberflutung gibt? Wegen des Geruchs nach Natur und Bratwurst? Oder einfach, weil sie es genießen, die Atmosphäre einzusaugen? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.

Über ein ähnliches „Phänomen“ haben wir letzten Monat auch schon im Artikel zum Reitsportverein Essen berichtet. Schaut doch auch mal hier vorbei!

So viele Menschen… und so viele Handarbeitsideen

Historische Schmiedekunst auf dem Flachsmarkt an der Burg Linn in Krefeld

Historische Schmiedekunst gehört zu den beliebtesten Vorführungen auf dem Flachsmarkt an der Burg Linn.

Der Flachsmarkt bringt auch mit Hinblick auf das Thema Handarbeit viel zutage. Es ist immer wieder erstaunlich, zu sehen, wie viele Menschen es gibt, die wissen, wie man Steine und Holz bearbeitet. Wie viele Glasbläser kunstvolle Kreationen erschaffen. Und dass es wirklich Menschen gibt, die eine echte Webmaschine bedienen können.

Eine besondere Anlaufstelle ist hierbei die Burg Linn selbst. Klar: Manchmal sind die Räumlichkeiten überfüllt und es gibt einen kurzen Einlassstopp. Den vertreibt man sich dann einfach im Innenhof.

Wer dann durch den Eingang geht, bemerkt schnell, dass die Menschen des Mittelalters kleiner (und vielleicht auch ein wenig schmaler) gewesen sein müssen. Aber ein wenig Kopf einziehen gehört eben dazu. Genauso wie die strahlenden Augen, wenn man vor den Meisterwerken eines Puppenmachers steht.

Viele Stände stellen die Produkte nicht nur aus, sondern verkaufen sie auch. Liebhaber echter Unikate dürften dementsprechend auf ihre Kosten kommen.

Wenn alle Sinne in Richtung Mittelalter schweben…

Auch in diesem Jahr hat der Flachsmarkt einmal mehr alle Sinne angesprochen. Der Geruch nach Flammlachs, das Gefühl von Schafwolle, der Geschmack von handgemachtem Spekulatius und Käse und die gesamte Atmosphäre sind sicherlich das, was dafür sorgt, dass die Veranstaltung immer wieder Stammgäste anzieht.

Hier geht es nicht darum, Stände abzuklappern. Stattdessen macht es Spaß, sich hin und wieder einfach von den Massen mitreißen zu lassen. Vielleicht unter die große Linde, die Schatten spendet? Oder in Richtung Kopfsteinpflaster, wo jedes Jahr derselbe Waffelstand steht?

Viele sind der Meinung, dass es eine gewisse Kontinuität im Leben braucht. Der Flachsmarkt ist eine davon.

Und wer Lust auf weitere Inspirationen hat, kann auch gern bei unseren Anregungen rund um Freizeitaktivitäten im Mai vorbeischauen.

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