665 Meter lang und (an der höchsten Stelle) 100 Meter hoch. Die Panorama Erlebnisbrücke in Winterberg beeindruckt schon allein aufgrund dieser Zahlen. Wie hoch 100 Meter allerdings sind und wie lange es dauert, 665 Meter über jeder Menge Wald und mit einer schönen Aussicht zurückzulegen, zeigt sich allerdings erst dann, wenn man es selbst probiert.
Ich habe mich vor ein paar Wochen dazu entschieden, all meinen Mut zusammenzunehmen. So schwer kann das ja nicht sein. Ich habe keine Höhenangst. Dass genau das jedoch nur bedingt hilft, musste ich „da oben“ feststellen. Versteht mich nicht falsch! Ich würde es jederzeit wieder tun. Das bedeutet allerdings nicht, dass mir nicht die Düse ging.
Auf dem Weg zum Eingang
„Eingang?“ Ja. Diese Brücke, der Skywalk Willingen, hat einen richtigen Eingang. Der Weg dorthin macht ein gewisses Maß an Fitness erforderlich. Denn: Wer hätte es gedacht? Es geht bergauf.
Und wer zum richtigen Zeitpunkt zur Seite schaut, kann hin und wieder die Skisprungpiste sehen. Aber nicht ablenken lassen! Es geht weiter nach oben.
Wir haben es als besonders praktisch empfunden, dass man sich sein Ticket einfach an einem der Automaten ziehen kann. Das bedeutet: Auch, wenn vielleicht an einem Tag etwas mehr los sein sollte, dürften sich die Wartezeiten in Grenzen halten.
Ausgestattet mit dem Ticket geht es dann in Richtung Brücke. Einmal piepen und es kann losgehen.
Nicht jedermanns Sache, aber definitiv ein Abenteuer
Ich stehe auf der Brücke und schaue nach unten. „Ach, geht schon!“ denke ich. Mir kommt eine Frau entgegen, die doch gerade noch vor mir gegangen ist. „Ich schaffe das doch nicht!“ lacht sie.
Das Gute ist, dass sie es sich noch einmal überlegen kann. Denn: Nur, weil das Ticket gelöst wurde, bedeutet dies nicht, dass man durchziehen muss. Man hat immer die Möglichkeit, vorne auf einer Fläche zu warten und sich das Ganze dann doch nochmal (oder mehrmals) durch den Kopf gehen zu lassen.
Ich ging weiter. Hätte ich in Physik aufgepasst, hätte ich erahnen können, dass eine solche Hängebrücke vor allem in Richtung Mitte immer mehr wackelt. Das bedeutete gleichzeitig, dass meine Knie etwas weicher wurden.
Ja, das Ding muss nachgeben. Hat was mit Statik zu tun. Jede Brücke hat ein gewisses „Spiel“. Eine Hängebrücke sowieso. Logische Sätze dieser Art verpuffen jedoch schnell ins Leere, wenn immer mehr Menschen auf der Brücke sind, sich bewegen und das Ganze dementsprechend etwas mehr wackelt. Ich muss zugeben, dass ich einen großen Teil der Meter mit geschlossenen Augen absolviert habe. Schade. Denn, wie ich nachher gesehen habe: Die Aussicht war perfekt.
Ein beliebter Foto-Hotspot
Wer es etwa auf die Mitte schafft und sich dann noch traut, sein Handy oder seine Kamera herauszunehmen, schafft Erinnerungen, die es auf jeden Fall wert sind, in einem Wandkalender festgehalten zu werden. Willingen ist wunderschön. Die Natur im Sauerland sowieso. Und irgendwie macht es auch Spaß, einmal bewusst nach unten zu schauen, um zu sehen, was Menschen alles bauen können.
Beim weiteren Gehen über die Brücke müssen wir immer wieder ein wenig Schlangenlinien laufen, weil der ein oder andere ein Motiv für „das perfekte Bild“ gefunden hatte oder es sich nicht nehmen lassen wollte, „hier und jetzt“ ein Selfie zu machen. By the way: Ich möchte nicht wissen, wie viele Smartphones im Wald unter der Brücke liegen.
Es wird weniger wackelig, aber nicht weniger imposant
Ab der Mitte und in Richtung „anderer Ausgang“ wurde es wieder weniger wackelig. Einerseits, weil nun weniger Menschen unterwegs waren, andererseits, weil die Enden einer solchen Brücke weniger anfällig für Schaukeleien sind. Hinzu kam, dass der Wind nachgelassen hatte.
Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich das Ganze nicht beruhigt hätte. Ich glaube, mein Körper hat selten mitten in der Natur so viel Adrenalin ausgeschüttet. Und ich bemerkte, wie ich zum Ende hin wieder langsamer wurde und öfter die Augen offenhalten konnte. Es war nicht mehr lang! Noch ein paar Meter.
Der Rückweg
Wir hatten ursprünglich geplant, den Skywalk am anderen Ende zu verlassen, um dann über den Wald den Weg zum Auto zurück anzutreten. Als wir aber bemerkten, dass wir (offensichtlich) den ersten Durchgang ohne größere Vorkommnisse überstanden hatten, beschlossen wir, den Weg zurück auch über die Brücke zu gehen.
Selbes Procedere: Mitte wackelig, Enden etwas stabiler. Aber wenn man eben weiß, was auf einen zukommt, wird man (finde ich zumindest) immer ein wenig mutiger.
Als wir beim Ausgang, den wir ursprünglich auch als Eingang genutzt hatten, wieder ankamen, stand die Frau, die so früh umgekehrt war, immer noch da. Ihr Mann schien das Ganze auch sehr witzig zu finden. Und ich freute mich darüber, dass der Skywalk Willigen offenbar nicht zu den Ausflugszielen zählt, bei denen ein „Ich habe es bezahlt und nun ziehe ich es durch!“ gilt.
Vielmehr scheint hier das Motto zu lauten: Hier ist dein Ticket, viel Spaß! Und am Ende entscheidet der Besucher, (im wahrsten Sinne des Wortes) wie weit er gehen möchte.
Der Skywalk in Willingen ist vielen ein Begriff
Der Skywalk in Willingen ist längst kein Geheimtipp mehr. Während unseres Aufenthaltes im Sauerland haben wir mit vielen gesprochen, die entweder stolz berichten, dass sie schon mindestens einmal über die Hängebrücke gegangen sind, oder planen, das Ganze in Zukunft in Angriff zu nehmen.
Allerdings gilt es, zu beachten, dass es nicht erlaubt ist, mit Kinderwagen oder Hund über die Brücke zu gehen. Wie lange Tickets gültig sind, wo man am besten parkt und was Menschen mit eingeschränkter Mobilität beachten sollten, könnt ihr im FAQ Bereich auf der Seite des Skywalks nachlesen.
Und wenn ihr dieses Abenteuer bewältigt habt, spricht doch eigentlich nichts dagegen, Willingen und Region noch weiter zu erkunden, oder? Ihr könnt euch am Fuß der Seilbahn, auf dem Berg und im Tal bei einer Vielzahl an gastronomischen Angeboten stärken und… wie wir… die Eindrücke der letzten Stunden noch einmal Revue passieren lassen.
Du magst es, spazieren zu gehen, möchtest aber lieber festen Boden unter den Füßen haben? Dass genau das nicht langweilig sein muss, kannst du im Artikel „Wie aus einem kurzen Feierabend-Spaziergang plötzlich ein richtig guter Abend wurde“ nachlesen.
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