1. August 2026

Wie mich Sternschnuppen ein Stückweit geerdet haben…

Manchmal braucht es nicht viel: Gute Gesellschaft, ein klarer Nachthimmel und Sternschnuppen reichen aus, um den Blick auf das Wesentliche zu richten.
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Sternschnuppen über einer sommerlichen Landschaft mit einer Bank unter dem Nachthimmel.

Zugegeben: Ich gehöre wirklich nicht zu den geduldigsten Menschen. Allein schon, wenn ich morgens darauf warten muss, bis mein Toast goldbraun ist, werde ich nervös. Dementsprechend war ich nicht sonderlich begeistert, als mich eine Freundin letztes Jahr fragte, ob ich Lust hätte, Sternschnuppen anzuschauen. Wenn ich zurückdenke, habe ich in meinem Leben vielleicht zwei dieser herabfallenden Himmelskörper gesehen.

Und bis heute bin ich mir nicht wirklich sicher, ob es wirklich welche waren, oder ob sich das Licht einfach nur günstig gespiegelt hat. Wie auch immer: Wer sich ein wenig mit Astrologie, und dem, was über unseren Köpfen geschieht, auseinandersetzt, weiß, dass sich gerade im Sommer viele Sternschnuppen beobachten lassen. Alles, was man hierzu braucht, ist eben ein wenig Geduld und der passende Zeitpunkt.

Apropos Zeitpunkt: Gerade im August stehen die Chancen erfahrungsgemäß vergleichsweise gut, Sternschnuppen beziehungsweise die berühmten Perseiden, beobachten zu können. Also packten wir eine Decke ein, etwas zu essen, und setzten uns in ihren Garten. Zugegeben: Das Ganze klingt wenig abenteuerlich. Während andere auf dem Feld oder vielleicht sogar im Wald Sternschnuppen beobachten, brauche ich das gute Gefühl, wenn ich keine Lust mehr habe, ins Haus gehen zu können. Dass genau diese Option allerdings komplett unnötig werden würde, wusste ich damals noch nicht.

Wir machen es uns bequem,… und es ist noch viel zu hell

Dieses Detail hatten wir nicht bedacht: Da es im August lange hell ist, saßen wir schon zwei Stunden vor der Dämmerung auf dem Boden und hatten bereits die Hälfte unseres Picknicks weggegessen. Und ja, zwischenzeitlich überlegte ich mir gute Ausreden, warum ich denn jetzt gehen müsste.

Die Vorstellung, mit hochgestrecktem Kopf über Stunden in den Himmel starren zu müssen, ermüdete mich schon jetzt. Immerhin weiß doch jeder, wie eine Sternschnuppe aussieht. Warum muss ich sie denn live sehen? Abgesehen davon bemerkte ich das Surren um mich herum und wusste, dass ich am nächsten Tag mindestens zwei Mückenstiche haben werde. Aber egal. Man ist ja eine gute Freundin und macht dementsprechend auch Dinge mit, auf die man eigentlich keine Lust hat.

Wir schalteten das Radio ein, wo uns ein übermotivierter Moderator einmal mehr sagte, dass es heute Nacht an der Zeit wäre, aufmerksam in den Himmel zu schauen. Meine Freundin war deutlich aufgeregter als ich. Ich öffnete meine mitgebrachte Flasche Wein und dachte wehmütig daran, dass ich morgen arbeiten musste.

Lange Gespräche über Gott und die Welt

Meine Freundin und ich kennen uns ziemlich gut. Eigentlich gibt es nichts, was wir uns noch nicht erzählt haben. Und genau deswegen verwundert es mich heute umso mehr, dass ich in dieser Sternschnuppennacht immer wieder neue Themen fand, die es definitiv wert waren, beackert zu werden. Wir sprachen über Lebensträume, Astrologie, über die Frage, ob wir allein im Universum sind und ja, auch darüber, warum man sich eine Nacht um die Ohren schlägt, um herabfallende Himmelskörper anzuschauen.

Irgendwann fiel unser Blick wieder auf die Uhr. Und siehe da: Es waren schon zweieinhalb Stunden vergangen. Hin und wieder hörten wir die Nachbarn aus deren Garten, die es sich offensichtlich auch nicht nehmen lassen wollten, die Perseiden zu beobachten. War ich wirklich so ein Banause, dass mir das Ganze überhaupt nicht wichtig war? Wenn sich so viele Menschen Zeit genommen hatten, um in den Himmel zu schauen, musste genau das doch etwas Besonderes sein, oder nicht? Egal! Nun war es eh zu spät.

Wir warteten also weiter, schauten nach oben, und legten uns irgendwann auf den Rücken, um die optimale Sicht zu genießen. Und so blicken wir ins Nichts. Natürlich wussten wir, dass da oben nicht „nichts“ war. Allerdings sah man auch nicht viel, weil die Wolken die Sicht versperrten.

War das etwa eine Sternschnuppe?

Je später es wurde, desto dunkler wurde es. Und glücklicherweise riss irgendwann der Himmel auf. Das Schwarze sah nun noch schwarzer aus als zuvor. Und plötzlich brüllte meine Freundin: „Das war eine Sternschnuppe!“

Leider kann ich bis heute nicht bestätigen, ob sie recht hatte. Allerdings kann ich es auch nicht widerlegen. Denn: Ich war eingenickt. Spätestens nach ihrem gellenden Schrei war ich allerdings wieder wach.

Und sollte sie sich beim ersten Mal geirrt haben, kann sie dennoch sagen, dass sie in dieser Nacht etliche Sternschnuppen gesehen hat. Denn kaum hatte ich mir die Augen gerieben und meine Brille aufgesetzt, ging es auch schon los. Hätte ich mir vorgenommen, bei jeder Sternschnuppe, die ich sehe, einen Wunsch auszusprechen, wäre ich früher oder später in die Bredouille gekommen. Denn: Es waren einfach zu viele.

Und ja, spätestens jetzt musste auch ich grinsen. Wohlwissend, dass ich morgen sehr müde sein werde, war genau das auf einmal egal. Für mich wurde ich Zeuge eines besonderen Naturschauspieles. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass ich tatsächlich vergessen hatte, Fotos oder Videos zu machen. Das, was sich abseits des Displays abspielte, war zu spannend, um es einzufangen. Und seien wir ehrlich: Fotos von Sternschnuppen gibt es im Internet zur Genüge. Die Gänsehaut, die sich einstellt, wenn man einige von ihnen in Echtzeit sieht, lässt sich dafür nur schwer beschreiben.

Wir planen das nächste Perseiden-Picknick

Wenn meine Freundin stolz darauf ist, jemandem von ihrer Meinung überzeugt zu haben, bemerkt man dies auch. In den letzten Monaten durfte ich mir etliche Male anhören, wie viel Glück ich doch hätte, dass Sie nicht zu unserem Sternschnuppen Picknick überredet hat.

Und ganz sicher macht es sie auch stolz, dass ich keine Ausreden gesucht habe, als sie mich gefragt hat, ob wir das Ganze 2026 wiederholen wollen.

Laut Sternwarte ist der nächste Perseiden-Strom in der Zeit zwischen dem 17. Juli und dem 24. August aktiv. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich mich mehr als vier Wochen zeltend in ihrem Garten einnisten werde. Wissenschaftler gehen aktuell davon aus, dass die meisten Meteore pro Stunde in der Nacht vom 12. auf den 13.8. niederfallen werden. Entweder werden wir dann wieder die Nacht zum Tag machen oder uns einfach den Wecker stellen.

Ich habe für mich auf jeden Fall beschlossen, mir das Ganze nicht entgehen zu lassen. Das echte Leben ist eben doch spannender als jedes Bild im Internet. Genau das haben wir übrigens auch schon bei unserem Besuch im Hemer Felsenmeer erfahren dürfen.

Schönes erleben.

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