Es gibt manche Ausflugsziele, die schon auf den Fotos beeindruckend wirken. Hin und wieder zeigt sich allerdings, dass am Ende doch alles kleiner ist als erwartet. Bei der Edertalsperre muss ich gestehen, dass es hier genau andersherum war. Natürlich kannten wir die Staumauer schon von Bildern und auch von der Webcam. Aber als wir schließlich selbst davor standen und uns einen Eindruck verschaffen konnten, war unser erster Gedanke tatsächlich: „Wow, ist die groß!“
Unser Erlebnis begann allerdings schon einige Kilometer vorher. Die Edertalsperre liegt mitten im Waldecker Land. Dementsprechend fuhren wir über eine lange Strecke hinweg durch die Natur, bevor wir unser Auto auf dem Parkplatz abstellten.
Hin im Hellen, zurück im Dunkeln und zwischendrin ganz viel Kultur, Geschichte und optische Highlights.
Ein besonderer erster Eindruck
Nachdem wir auf dem (übrigens vergleichsweise günstigen) Parkplatz geparkt hatten, machten wir uns zuerst auf den Weg in Richtung Wasser und Staumauer. Vor uns lag der Edersee, dahinter erheben sich die bewaldeten Hänge, und mittendrin steht dieses gewaltige Bauwerk.
Wenn es nicht zu theatralisch klingen würde, würde ich sagen, dass die Edertalsperre „majestätisch“ herausragt. Die Mauer ist rund 400 Meter lang und etwa 48 Meter hoch. Der Edersee selbst erstreckt sich über etwa 27 Kilometer und kann bis zu 200 Millionen Kubikmeter Wasser in sich aufnehmen.
Klar: Auf dem Papier hört sich das Ganze erst einmal nur nach Zahlen an. Aber wenn man selbst dort steht, bekommt man ein ganz anderes Gefühl für die Dimensionen, mit denen man hier konfrontiert wird. Als besonders schön empfanden wir den Kontrast zwischen dem Wasser, den umliegenden Wäldern und der massiven Mauer, die hier seit Jahrzehnten steht. Und natürlich sind wir auch einmal über besagte Mauer gelaufen. Genau das gehört zu einem Besuch an diesem besonderen Ort schließlich dazu. Und wahrscheinlich liegt es daran, dass wir die komplette Atmosphäre in uns aufgesaugt haben, dass wir am Ende doch deutlich länger als ursprünglich geplant geblieben sind.
Eine wunderschöne abendliche Beleuchtung
Dass sich unser Besuch dann allerdings wirklich bis zur Dunkelheit ausdehnte, hatte einen besonderen Grund. Wir wollten sehen, wie die Edertalsperre beleuchtet aussieht. Jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit wird die Sperre in wechselnden Farben illuminiert. Hierzu wurden damals zum hundertjährigen Jubiläum im Jahr 2014 insgesamt 39 LED-Scheinwerfer installiert. Damit hält diese Staumauer einen Rekord als längstes dauerhaft mit Farbwechsel illuminiertes Bauwerk.
Und ja: Heute kann ich sagen, dass sich das Warten gelohnt hat. Je dunkler es wurde, desto mehr veränderte sich auch die Atmosphäre. Wo wir vorher vor allem auf das Wasser, die Steine und die Landschaft geschaut hatten, stand plötzlich die Staumauer auf besondere Weise im Mittelpunkt. Die Farben wechselten immer wieder und spiegelten sich, je nach Einfall, im Wasser.
Und natürlich waren wir nicht die einzigen, die hieran ihre Freude hatten. Nach und nach kamen immer mehr Menschen. Manche machten Fotos, andere filmten und viele standen einfach nur da und schauten zu.
Im Laufe der Zeit wurde es allerdings doch etwas frisch. Also machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Hierbei stießen wir immer wieder auf neue Besucher, die uns entgegenkamen und sich ebenfalls einen Eindruck von diesem besonderen Kunstwerk verschaffen wollten. Allerdings trugen sie dickere Jacken als wir und waren dementsprechend offensichtlich besser vorbereitet.
Auch für Hobby-Historiker ein interessantes Ausflugsziel
Viele Menschen dürfte es freuen, dass die Edertalsperre eben nicht nur gut aussieht, sondern auch in geschichtlicher und kultureller Hinsicht relevant ist. Und tatsächlich fällt es schwer, dieses Bauwerk anzuschauen, ohne sich in die Vergangenheit zu träumen. Die Sperre wurde zwischen 1908 und 1914 gebaut und erfüllt bis heute wichtige Aufgaben. Unter anderem hilft sie beim Hochwasserschutz und bei der Stromerzeugung. Um sie zu bauen, war es nötig, die Landschaft grundlegend zu verändern. Die Dörfer Asel, Berich und Bringhausen sowie drei Gehöfte mussten zum Beispiel aufgegeben werden. Das hatte zur Folge, dass rund 900 Menschen umsiedeln mussten.
Und genau deswegen sind hier auch diejenigen richtig, die Lust auf ein klein wenig „Atlantis“-Gefühl haben. Denn: Bei niedrigem Wasserstand tauchen bis heute Überreste der alten Orte auf.
Wenn man das im Hinterkopf behält und anschließend über den riesigen See blickt, bekommt die Landschaft noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Unter der Wasseroberfläche befindet sich schließlich ein Stück Geschichte.
In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 wurde die Edertalsperre im Rahmen der britischen „Operation Chastise“ bombardiert. Die Staumauer wurde schwer beschädigt und eine gewaltige Menge Wasser strömte durch die entstandene Lücke ins Edertal. Man muss allerdings sagen, dass bei einem entspannten Spaziergang heute zunächst wenig daran erinnert, was sich hier einmal abgespielt hat. Vielleicht fanden wir gerade diesen Gegensatz so interessant: Wir standen dort an einem ruhigen Abend, schauten auf den See und warteten später auf die bunten Lichter. Ein Szenario, von dem vor Jahrzehnten wahrscheinlich niemand gedacht hätte, dass es möglich wäre.
Wer noch mehr über die Geschichte der Edertalsperre wissen möchte, kann vor Ort verschiedene Möglichkeiten nutzen. Es gibt zum Beispiel Führungen über die Staumauer, bei denen der Bau, das alte Edertal und die Bombardierung während des Zweiten Weltkriegs thematisiert werden.
Im Sommer würden wir gerne noch einmal wiederkommen
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass eine meiner Freundinnen während unserer Schulzeit jedes Jahr im Sommer an den Edersee gefahren ist. Sie sprach von Camping, (meist) gutem Wetter und dem, was man heute sicherlich als „Quality Time“ bezeichnen würde. Nach unserem eigenen Besuch kann ich ihre Begeisterung deutlich besser nachvollziehen.
Wir waren zwar nicht im Hochsommer dort. Und ja: Es war kalt. Trotzdem konnte man sich ziemlich gut vorstellen, wie schön es sein muss, bei warmen Temperaturen einen ganzen Tag rund um den See zu verbringen und vielleicht eines der Tretboote auszuleihen. Auf dem Wasser unterwegs sein, die Landschaft genießen und den Abend anschließend mit Blick auf den See ausklingen lassen… das dürfte sich lohnen.
So oder so: Unbedingt bis zum Abend bleiben
Wer die Edertalsperre besucht, sollte nicht zu früh nach Hause fahren. Natürlich ist der Edersee auch tagsüber sehenswert. Ihr könnt über die Staumauer laufen, den Blick über das Wasser genießen und euch mit der Geschichte des Ortes beschäftigen. Nach Einbruch der Dunkelheit verändert sich die Stimmung aber noch einmal komplett.
Und auch wenn es sich hierbei sicherlich um eine Frage des persönlichen Geschmacks handelt: Für uns war genau das der schönste Teil des Besuchs. Ein beeindruckender Ort, ein wenig Geschichte und ganz viel Faszination.
Gut zu wissen für deinen Besuch an der Edertalsperre
📍 Adresse
Besucherzentrum Edersee, Zur Sperrmauer 66, 34549 Edertal
🚗 Parken
Auf der Westseite der Staumauer befindet sich ein kostenpflichtiger Parkplatz. Von dort sind es etwa fünf Minuten zu Fuß bis zur Edertalsperre beziehungsweise zum Besucherzentrum.
🌈 Beleuchtung
Die Edertalsperre wird jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit beleuchtet. Insgesamt 39 LED-Scheinwerfer setzen die Staumauer in wechselnden Farben in Szene.
👣 Staumauer
Die Staumauer ist rund 400 Meter lang und etwa 48 Meter hoch. Besucher können zu Fuß über die Staumauer gehen und dabei den Blick auf den Edersee und die Umgebung genießen.
🎟️ Staumauerführungen
Von Juni bis September werden öffentliche Führungen mittwochs um 16:00 Uhr und samstags um 11:30 Uhr angeboten. Die Führung dauert etwa 60 Minuten und kostet derzeit 4 Euro pro Person. Kinder bis sieben Jahre nehmen kostenlos teil. Eine vorherige Buchung ist erforderlich.
👨👩👧👦 Tipp für Familien
Direkt hinter dem Besucherzentrum befindet sich der Aquapark Edersee. Der kostenlose Wasserspielplatz bildet den Edersee im Maßstab 1:200 nach und ist von Ostern bis Oktober zugänglich.
🚧 Hinweis 2026
Die Edertalsperre wird voraussichtlich bis Ende 2027 saniert. Dadurch kann es zeitweise zu optischen Einschränkungen durch Gerüste und Bauarbeiten kommen. Der Fußweg über die Staumauer bleibt jedoch nutzbar.
Aktuelle Informationen zu Führungen, Sanierungsarbeiten und dem Besuch findet ihr auf der offiziellen Website von Edersee Marketing.
Stand: August 2026
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