Ein Arbeitsplatzverlust kann vieles verändern. Für György Czeglédy wurde er zum Ausgangspunkt für einen beruflichen Neuanfang. Nach 18 Jahren in Logistik und Operations entschied sich der zweifache Vater dazu, einen Weg einzuschlagen, über den er eigentlich schon seit seiner Kindheit nachgedacht hatte: die Selbstständigkeit.
Heute baut er mit der Golf Yankee Mike® Academy eine eigene Erste-Hilfe-Akademie auf. Bei dieser geht es ihm jedoch nicht nur um Kurse und Zertifikate. Stattdessen sollen die Menschen bei ihm lernen, im Notfall tatsächlich handeln zu können. Im Interview erzählt György, warum ihm dieses Thema so wichtig ist, welche Rolle seine Familie bei seinem Neuanfang spielt und warum manchmal schon kleine „Baby-Steps“ reichen, um weiterzumachen.
Wer ist György abseits von Kursen und Unternehmen?
Abseits von Kursen und Unternehmen bin ich vor allem Vater von zwei Kindern und Partner an der Seite meiner Familie. Das ist in gewisser Weise der Boden, auf dem alles andere steht. Ich bin gebürtiger Ungar, lebe seit vielen Jahren in Deutschland und habe einen Blick auf die Dinge, der stark von meiner Zeit in der Logistik geprägt ist: strukturiert, lösungsorientiert und mit Blick fürs Ganze.
Privat trainiere ich Kampfsport. Das hält mich sowohl körperlich als auch mental in Balance und lehrt mich Disziplin. Eine Eigenschaft, die ich auch im Unternehmertum brauche.
Wann entstand die Idee, sich selbstständig zu machen?
Der Gedanke an die Selbstständigkeit war eigentlich schon immer da. Seit meiner Kindheit habe ich mit dem Wunsch gespielt, etwas Eigenes aufzubauen.
Konkret wurde die Idee dann in einer Phase, in der ich beruflich an einem Punkt stand, an dem ich gemerkt habe: Ich will nicht mehr für ein System arbeiten, das nicht zu meinen Werten passt, sondern etwas aufbauen, das meine Handschrift trägt.
Wie hast du die Zeit nach dem Verlust deines Arbeitsplatzes erlebt?
Ehrlich gesagt ist das ein Thema, auf das ich nicht zu tief zurückblicken möchte, da der Verlust selbst ein einschneidender Moment war. Was ich aber klar sagen kann: Ich habe mich dazu entschieden, nicht stehen zu bleiben.
Sehr schnell hat sich in mir der Gedanke geformt, dass genau das der Zeitpunkt ist, an dem ich entscheiden muss, was ich mit meinem Leben machen will. Ich habe die Zeit intensiv genutzt, um mich weiterzubilden, unter anderem mit einer Sanitätsdienst-Grundausbildung und einer Ausbildung zum Erste-Hilfe-Ausbilder. Parallel bin ich in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten, um neue Menschen kennenzulernen und meiner Community etwas zurückzugeben.
Gab es einen Moment, an dem du überlegt hast, aufzugeben?
Ja, solche Momente gab es vor allem am Anfang, wenn man merkt, wie viele Dinge gleichzeitig auf einen einprasseln: Bürokratie, Unsicherheit, ob das Konzept trägt, und Zweifel, ob man den richtigen Weg eingeschlagen hat. Es gab Abende, an denen ich mich gefragt habe, ob es nicht einfacher wäre, wieder in eine klassische Anstellung zu gehen. Aber diese Momente waren nie von Dauer.
Und was hat dich trotzdem weitermachen lassen?
Wenn ich einen Tiefpunkt habe, stelle ich mir vor, wie es sich anfühlen wird, wenn die Firma gut läuft. Und genau dieses Bild zieht mich durch schwierige Phasen.
Außerdem will ich etwas aufbauen, das ich meinen Kindern irgendwann übergeben kann. Mein Sohn zeigt schon jetzt großes Interesse an Erster Hilfe. Er spielt oft nach, dass er „der Chef“ ist, und hat sich sogar selbst Visitenkarten gebastelt. Solche Momente zeigen mir, wofür ich das mache. Und nicht zuletzt ist da die bedingungslose Unterstützung meiner Familie, die mich über schwere Momente hinwegträgt und mir die Kraft gibt, weiterzumachen.
Warum hast du dich gerade für den Bereich Erste Hilfe entschieden?
Ich kam im Laufe der Zeit relativ oft mit Situationen in Berührung, in denen Menschen in Not waren und andere einfach nur drum herum standen, weil sie nicht wussten, was sie tun sollen. Genau das war für mich der eigentliche Auslöser, mich für dieses Thema zu entscheiden.
Erste Hilfe ist ein Bereich, in dem Wissen im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden kann. Trotzdem hat kaum jemand das Gefühl, wirklich sicher zu sein, wenn es darauf ankommt. Das gilt besonders für Eltern. Viele haben große Angst, im Notfall bei ihrem eigenen Kind falsch oder gar nicht zu reagieren. Unser Ziel bei der Golf Yankee Mike® Academy ist es deshalb nicht, einfach nur ein Zertifikat auszustellen, sondern den Menschen echte Handlungssicherheit zu geben, damit sie im Ernstfall nicht danebenstehen, sondern handeln.
Was unterscheidet deine Kurse von klassischen Erste-Hilfe-Kursen?
Bei den betrieblichen Erste-Hilfe-Kursen gibt es einen festen Leitfaden, an den wir uns halten müssen. Und klar: Inhaltlich können wir da nicht großartig abweichen. Der Unterschied liegt also vor allem in der Umsetzung. Wir setzen auf hochwertige Übungsgeräte, wie zum Beispiel unsere QCPR-Übungsphantome mit Echtzeit-Feedback über Tablet. Unser Anspruch ist außerdem, keinen Frontalunterricht zu halten. Wir möchten keinen „Tod durch PowerPoint“, sondern die Teilnehmer aktiv einbinden und einen hohen Praxisanteil bieten.
Bei unseren Sonderformaten für Eltern geht es darum, dass sie im Notfall bei ihrem Kind wirklich wissen, was zu tun ist. Unsere medizinische Fachaufsicht sorgt zusätzlich dafür, dass das, was wir vermitteln, nicht nur praxisnah, sondern auch fachlich auf höchstem Stand ist. Und mit Rescue Rangers® verfolgen wir das Ziel, schon Kindern früh die Angst zu nehmen, anderen zu helfen.
Wirf doch mal einen Blick zurück. Welche Erfahrungen aus deiner früheren Karriere helfen dir heute?
Aus meiner 18-jährigen Laufbahn in Logistik und Operations nehme ich vor allem drei Dinge mit: Struktur, Führungserfahrung und den Blick fürs große Ganze. Ich habe über die Jahre gelernt, wie man Prozesse aufbaut, Teams führt und auch unter Druck den Überblick behält. All das brauche ich heute genauso, egal, ob bei der Organisation unserer Kurse, im Umgang mit Behörden und Zertifizierungen oder in der Zusammenarbeit mit meinem Team. Diese operative Erfahrung ist ein Fundament, auf dem ich mein Unternehmen aufbauen kann, ohne bei null anzufangen.
Und was war die größte Herausforderung beim Start?
Die größte Herausforderung war und ist, gefühlt zehn Rollen gleichzeitig auszufüllen. Ausbilder, Unternehmer, Marketing, Buchhaltung, alles auf einmal.
Und ehrlich gesagt: Wir haben noch nicht alle Hürden der Gründung hinter uns. Die Konzepte stehen, die Genehmigungen und Zertifizierungen sind da. Jetzt geht es vor allem darum, dass die Menschen uns überhaupt kennenlernen. Man kann das beste Angebot haben, aber wenn niemand in der Region weiß, dass es uns gibt, bringt das wenig.
Wie reagierte deine Familie auf deine Entscheidung und deinen beruflichen Weg?
Meine Familie stand von Anfang an hinter mir. Und ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist, gerade bei einem Schritt, der auch mit finanzieller Unsicherheit verbunden ist. Vor allem meine Partnerin hat mir den Rücken freigehalten und mich in der Entscheidung bestärkt, obwohl klar war, dass das für uns als Familie erst einmal auch Verzicht und Unsicherheit bedeutet. Diese Unterstützung ist bis heute einer der wichtigsten Gründe, warum ich das alles überhaupt so machen kann.
Was bedeutet Selbstständigkeit für dich persönlich?
Selbstständigkeit bedeutet für mich vor allem Eigenverantwortung und die Freiheit, Dinge nach meinen eigenen Werten aufzubauen – nicht nach den Vorgaben eines Systems, das nicht zu mir passt. Es ist die Möglichkeit, meine Erfahrung und mein Wissen in etwas einzubringen, das wirklich meine Handschrift trägt und einen echten Unterschied für meine Kunden, aber auch für meine Familie und mich selbst macht. Gleichzeitig bedeutet Selbstständigkeit natürlich auch Verantwortung: für mein Team, für meine Kunden und dafür, dass die Entscheidungen, die ich treffe, tragfähig sind.
Wo möchtest du mit Golf Yankee Mike® Academy in drei Jahren stehen?
In drei Jahren möchte ich, dass die Golf Yankee Mike® Academy eine Größe in der Region ist, die man nicht ignorieren kann. Die feste Anlaufstelle für Erste Hilfe und Notfalltraining eben. Kunden sollen bei uns anfragen, weil sie wissen: Hier bekommen sie nicht nur ein Zertifikat, sondern echte Qualität. Genau das ist auch einer der wichtigsten Maßstäbe, die wir bei der Auswahl unserer Dozenten anlegen. Nur wer diesen Anspruch teilt, passt zu uns. Ich möchte unser Team weiter ausbauen, unsere Formate wie Rescue Rangers® noch breiter verankern und mit weiteren Kooperationspartnern zusammenarbeiten.
Mein Wunsch ist, dass Eltern in der Region den Namen Rescue Rangers® kennen und ihn automatisch mit einem guten Gefühl verbinden, wenn es um Erste Hilfe für ihre Kinder geht. Am Ende soll aus der Academy etwas geworden sein, das ich meinen Kindern eines Tages übergeben kann.
Was wünschst du dir für die Region?
Ich wünsche mir für die Region, dass Erste Hilfe zu etwas Selbstverständlichem wird und dass Menschen sich sicher fühlen, im Ernstfall zu handeln, statt hilflos danebenzustehen.
Gerade im ländlichen Raum, wo der Rettungsdienst manchmal länger braucht, können die ersten Minuten entscheidend sein. Wenn wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass in genau diesen Minuten mehr Menschen richtig handeln können, haben wir schon viel erreicht.
Was möchtest du Menschen mitgeben, die aktuell vor einem beruflichen Neuanfang stehen?
Es wird schwer. Sehr schwer. Es wird Rückschläge geben, Enttäuschungen, Ideen, die man mit viel Herzblut verfolgt und die trotzdem nicht funktionieren. Es wird enorm viel Zeit und Kraft kosten. Wer das nicht aushalten kann, sollte sich zweimal überlegen, ob er diesen Weg gehen will. Aber die andere Seite ist genauso wahr, und sie ist wunderschön: Jeden Tag gibt es Fortschritte. Mal kleine Baby-Steps, mal Momente, in denen man fast nicht glauben kann, dass gerade wirklich passiert, wovon man geträumt hat.
Man lernt unglaublich viele Menschen kennen, und irgendwann kommt der Punkt, an dem diese Menschen einen von sich aus weiterempfehlen. Und genau dann nimmt das Ganze richtig Fahrt auf. Und wenn man dann zurückschaut, merkt man: Man hat etwas Großartiges auf den Weg gebracht.
Berufliche Neuanfänge haben viele Gesichter. Auch Sue Schunk hat uns im Interview erzählt, wie sie mit SuEnergia ihren eigenen Weg gegangen ist.
Mehr über die Golf Yankee Mike® Academy
Informationen zu den Erste-Hilfe-Kursen, Angeboten für Eltern und den Rescue Rangers® findet ihr direkt bei der Golf Yankee Mike® Academy.






