Im Oktober und November zieht es viele nach drinnen. Manche aber auch gerade dann nach draußen. Das Wetter folgt hier ganz klar seinen eigenen Spielregeln. Morgens kann es noch neblig sein, am Nachmittag kommt plötzlich die Sonne heraus und nach ein paar Regentagen kann aus einem ansonsten eigentlich eher harmlosen Weg schnell eine matschige Angelegenheit werden. Ein besonderer Vorteil, der vielleicht auch für ein wenig „Usselswetter“ entschädigt: Im Herbst sind die Temperaturen meist deutlich angenehmer als an heißen Sommertagen. „Ganz nebenbei“ wartet die Natur mit ihren schönsten Farben auf. Und praktisch ist es natürlich auch, dass viele Wanderrouten nicht allzu weit von der eigenen Haustür entfernt liegen. Zumindest dann nicht, wenn man zum Beispiel zentral in NRW wohnt.
Ein beliebtes Ziel liegt ganz im Westen des Bundeslandes, direkt an der Grenze zu den Niederlanden. Das Galgenvenn bei Nettetal-Kaldenkirchen gehört zu den Premium-Wanderwegen der Wasser.Wander.Welt und führt auf etwa 10,5 Kilometern durch das deutsch-niederländische Grenzgebiet. Wer die komplette Route bewältigen möchte, sollte mit einer Geh-Zeit von etwa drei Stunden rechnen.
Galgenvenn: Ach, hier sieht es aber wild aus!
Die Region rund um den Niederrhein ist tendenziell eher flach. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Wanderung hier langweilig sein müsste. Auf der Galgenvenn-Runde gibt es quasi keine besonderen Steigungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Umgebung nicht immer wieder verändern würde.
Die Strecke führt durch den Grenzwald, vorbei an Heideflächen, Mooren und kleineren Gewässern. Etwa 90 Prozent des Weges verlaufen auf naturnahem Untergrund. Falls ihr euch also für Barfußwege begeistern könnt und auf der Suche nach einer Alternative seid, lohnt es sich in mehrfacher Hinsicht, hier vorbeizuschauen. Breite Wege wechseln sich mit schmaleren Pfaden ab, während ihr die Grenze zu den Niederlanden überschreitet und dann wieder zurück nach Deutschland kommt.
Schon gewusst? Das „Venn“ in „Galgenvenn“ bezeichnet eine Moor- beziehungsweise Feuchtlandschaft. Und genau solche Bereiche gehören ebenso zum Weg wie die Heidemoore und die sogenannten Flachskuhlen. Letztere erinnern daran, dass in der Region früher Flachs verarbeitet wurde. Die Kuhlen wurden genutzt, um die Pflanzen im Wasser einzuweichen, um anschließend die Fasern zu gewinnen.
Damit richtet sich ein Ausflug in diese Region unter anderem auch an diejenigen, die Lust darauf haben, ein wenig in die niederrheinische Geschichte einzutauchen. Und wer die entsprechenden Hintergründe nicht kennt, kann die Runde natürlich auch genießen. Allerdings kann es durchaus sein, dass man die einzelnen Stationen seiner Herbstwanderung anders erlebt, wenn man sich vorher mit der Entwicklung dieser spannenden Region auseinandergesetzt hat.
Warum es sich lohnt, im Herbst die Wanderschuhe zu schnüren…
Für eine Wanderung im Oktober oder November bieten Regionen bzw. Ausflugsziele wie der Galgenvenn einen praktischen Vorteil: Die rund 10,5 Kilometer lange Strecke lässt sich in der Regel auch dann gut bewältigen, wenn die Tage bereits merklich kürzer werden. Wichtig ist es natürlich dennoch, sein Fitnesslevel im Vorfeld realistisch einzuschätzen.
Und auch Fans einer ganz besonderen Atmosphäre kommen hier auf ihre Kosten. Immerhin verändert der Herbst nicht nur die Farbe der Bäume, sondern auch das komplette Flair einer Landschaft. Auf den offenen Flächen fällt das Licht (gerade dann, wenn die Sonne besonders tief steht) eher auf, als es während der Sommermonate der Fall ist. Und genau deswegen können auch Nebel und Feuchtigkeit die Moor- und Heidebereiche innerhalb weniger Stunden völlig anders aussehen lassen.
Der Umstand, dass die Strecke wenige Steigungen aufweist, macht die Strecke zudem interessant für alle, die zwar mehrere Stunden wandern, dabei aber keine größeren Berge bewältigen möchten.
Achtung! Trotz der Tatsache, dass sich der Galgenvenn nach einer eher gemütlichen Strecke anhört, wäre es falsch, ihn gerade im Herbst zu unterschätzen. Gerade weil ein großer Teil der Strecke über naturnahe Wege führt, sind feste Schuhe sinnvoll. Außerdem lohnt sich vor dem Start ein Blick auf die Uhr. Ein Wanderausflug, der im Juli noch problemlos am späten Nachmittag funktioniert, kann im November bereits mit der Dämmerung (oder noch später) enden.
Der typische „Eigentlich würde ich lieber auf dem Sofa bleiben“-Gedanke… und das gute Gefühl, wenn man ihn überwunden hat
Seien wir ehrlich: Im Herbst kostet es manchmal ein bisschen mehr Überwindung, überhaupt loszugehen. Während im Sommer oft ein Blick aus dem Fenster reicht, um den Inneren Schweinehund zu überzeugen, kann dieser im Herbst durchaus ein wenig penetranter sein. Der Himmel ist grau, die Jacke muss mit und vielleicht hat es gerade noch geregnet. Da klingt ein „Ich verbringe den Rest des Tages auf dem Sofa!“ zunächst einmal ziemlich überzeugend.
Und dann ist man (oft mit einer großen Portion Stolz) doch unterwegs. Manchmal dauert es auch nur ein paar Minuten bis sich ein „Zum Glück bin ich losgelaufen!“ einstellt. Die Luft ist kühler, die Wangen werden irgendwann kalt und vielleicht ärgert man sich kurz über die erste Pfütze, die man trotz aller Vorsicht doch übersehen hat. Gleichzeitig gehört genau das irgendwie zu einem Herbsttag draußen dazu.
Besonders schön wird es, wenn zwischendurch doch noch die Sonne herauskommt. Dieses Licht fühlt sich im Oktober schließlich ganz anders an als im Hochsommer. Vielleicht auch deshalb, weil man nicht zwangsläufig damit gerechnet hat. Plötzlich leuchten die Farben stärker, die feuchte Luft riecht anders und aus einem zunächst eher grauen Tag wird doch noch einer, an den man sich gern erinnert.
Nach dem Herbstspaziergang ist vor dem Entspannen…
Vielleicht ist es genau das, was Herbstwanderungen so „sympathisch“ macht. Sie müssen gar nicht perfekt sein. Es darf zwischendurch nieseln, die Schuhe dürfen hinterher nach Matsch aussehen. Und den Anspruch, dass jeder einzelne Kilometer ein Abenteuer gewesen sein muss, besteht auch nicht.
Stattdessen stellt sich dieses angenehme Gefühl ein, wieder am Ausgangspunkt angekommen zu sein. Die Beine melden sich ein bisschen, die Jacke ist irgendwie doch eine Spur zu warm gewesen und die Aussicht auf einen Kakao macht gute Laune. Aus „Sollen wir bei dem Wetter wirklich los?“ ist ein „Gut, dass wir es gemacht haben!“ geworden.
Klar: Für Sonne und 25 Grad braucht es oft keine Überredungskünste, wenn es darum geht, in ein Outdoor-Abenteuer zu starten. An einem grauen Oktobertag die Wanderschuhe anzuziehen und loszugehen, kann sich dagegen schon ein kleines bisschen wie ein Sieg anfühlen.
GUT ZU WISSEN ZUM GALGENVENN
📍 Start und Ziel
Die Rundwanderung startet und endet am Waldgasthaus Galgenvenn in Nettetal-Kaldenkirchen. Die Strecke führt durch das deutsch-niederländische Grenzgebiet.
🥾 Strecke
Der Premium-Wanderweg Galgenvenn ist etwa 10,5 Kilometer lang. Rund 90 Prozent der Strecke verlaufen auf naturnahen Wegen und Pfaden.
⏱️ Wanderzeit
Für die komplette Runde sollten etwa drei Stunden eingeplant werden. Je nach Tempo und Länge der Pausen kann die Wanderung natürlich auch etwas länger dauern.
⛰️ Schwierigkeit
Die Tour gilt als mittelschwer. Große Steigungen gibt es nicht. Vor allem bei nassem Herbstwetter können einzelne Wege allerdings rutschig oder matschig sein.
🚗 Anreise und Parken
Parkmöglichkeiten gibt es unter anderem am Waldgasthaus Galgenvenn. An gut besuchten Tagen kann es dort voll werden, weshalb sich vor der Anreise ein Blick auf alternative Wanderparkplätze lohnt.
Aktuelle Informationen zum Streckenverlauf und mögliche Hinweise zur Route findet ihr direkt bei den Premium-Wanderwelten Wasser.Wander.Welt.






