So gut wie jeder, der Tiere liebt, kennt wahrscheinlich dieses Gefühl: Eigentlich möchte man sich mit manchen Geschichten gar nicht näher beschäftigen, weil man schon vorher weiß, dass sie zu einer emotionalen Herausforderung werden können.
Gleichzeitig möchte man aber auch nicht wegsehen. Zumindest geht es mir so. Und vielleicht besuche ich gerade deshalb immer wieder Veranstaltungen, bei denen der Tierschutz im Mittelpunkt steht. In den vergangenen Jahren war ich auf verschiedenen Tierheimfesten in NRW unterwegs. Und ich habe auch schon mehrmals die Listimania in Oberhausen besucht.
Solche Veranstaltungen sind zunächst einmal das, was man als „schöne Ausflugsziele“ beschreiben kann. Es gibt Stände, man kommt mit anderen Menschen zusammen und kann Vereine unterstützen, die sich für Tiere einsetzen. Und trotzdem fühlt sich ein Tierheimfest für mich anders an als ein „normales“ Straßen- oder Sommerfest.
Schließlich geht es um Tiere, die aus den unterschiedlichsten Gründen Hilfe benötigen und teilweise schon länger darauf warten, endlich ein neues Zuhause zu finden.
Am Ende ist es aber genau diese Mischung aus einem schönen Tag und ernsteren Gedanken, die solche Veranstaltungen für mich besonders macht.
Auf der Listimania: Vorurteile vs. Freunde fürs Leben
Die Listimania in Oberhausen gehört in gewisser Weise zu den Highlights in meinem ganz persönlichen Veranstaltungskalender. Das Event richtet sich vor allem an Fans sogenannter „Listenhunde“ und verbindet Tierschutz und Aufklärung miteinander.
Tierheime und Vereine nutzen die Gelegenheit unter anderem, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen und Hunde vorzustellen, die auf ein neues Zuhause hoffen.
Bei meinen Besuchen habe ich dort auch Matthias Mangiapane getroffen, der die Listimania im Charity-Bereich unterstützt.
Gerade im Zusammenhang mit Listenhunden spielt hierbei noch etwas anderes eine Rolle. Schon die Bezeichnung reicht aus, um bei vielen Menschen bestimmte Bilder hervorzurufen. Manche sprechen sogar immer noch von „Kampfhunden“.
Und weil bei der Listimania Menschen aus ganz Deutschland zusammenkommen, tauscht man sich schnell aus. Über Meinungen und darüber, welche Gesetze wo gelten. Nordrhein-Westfalen unterscheidet im Landeshundegesetz unter anderem zwischen „gefährlichen Hunden nach § 3“ und „Hunden bestimmter Rassen nach § 10“. Für ihre Haltung gelten besondere Voraussetzungen. Und genau hierüber wird gesprochen, diskutiert und aufgeklärt.
Was mich im Zusammenhang mit einer Veranstaltung wie der Listimania beschäftigt, ist aber weniger die juristische Einordnung als die Frage, was solche Kategorien mit unserem Blick auf ein Tier machen.
Es ist schließlich etwas völlig anderes, über „Listenhunde“ zu sprechen oder tatsächlich vor einem solchen Hund zu stehen. Und genau in diesem Moment geht es nicht mehr um eine „abstrakte Gruppe“, sondern um verschiedene Tiere mit unterschiedlichen Charakteren und Geschichten. Und alle von ihnen haben ein liebevolles Zuhause verdient.
Wenn Tierheimfeste ein kleines Gefühlschaos auslösen…
Auch bei den bereits erwähnten Tierheimfesten steht für mich weniger eine bestimmte Hunderasse im Mittelpunkt. Das Gefühl, das hier entsteht, ist ähnlich. Zumindest bei mir.
Einerseits freue ich mich darüber, dass so viele Menschen gekommen sind. Sie kaufen etwas, essen und trinken (übrigens oft vegan oder vegetarisch), informieren sich oder unterstützen das Tierheim auf andere Weise. Offensichtlich gibt es viele Menschen, denen nicht egal ist, was mit den Tieren passiert.
Gleichzeitig lässt sich der Ort selbst natürlich nicht ausblenden. Ein Tierheim ist schließlich dazu da, Tieren vorübergehend (oder manchmal auch über einen längeren Zeitraum) ein Dach über dem Kopf zu geben. Hinter manchen Türen sitzen Lebewesen, die abgegeben wurden, bei anderen kennt man vielleicht nicht einmal ihre komplette Vorgeschichte.
Genau an diesem Punkt wird es für mich schwierig, einen Besuch auf einem Tierheimfest ausschließlich als „schönen Ausflug“ zu betrachten. „Gemischte Gefühle“ trifft es wahrscheinlich am ehesten.
Man kann Spaß auf dem Fest haben und sich gleichzeitig wünschen, dass möglichst viele der Tiere beim nächsten Fest gar nicht mehr dort sind, weil sie inzwischen ein passendes Zuhause gefunden haben. Diese beiden Gefühle schließen sich für mich nicht aus.
Die gute Nachricht ist: Es geht eben nicht nur um traurige Geschichten
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich von solchen Tierschutz-Veranstaltungen mitgenommen habe. Hilfe wird in diesem Bereich häufig dann besonders sichtbar, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Wir lesen von ausgesetzten Tieren, überfüllten Tierheimen oder hohen Tierarztkosten. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, Tierschutz bestehe hauptsächlich aus Problemen.
Auf Tierheimfesten und bei Veranstaltungen wie der Listimania sieht man jedoch auch die andere Seite. Dort stehen Menschen, die sich kümmern, organisieren, informieren und teilweise seit Jahren einen erheblichen Teil ihrer Freizeit investieren.
Besonders schön finde ich es, wenn bei den Events auch ehemalige Tierheimtiere wieder vorbeischauen, die längst ein Zuhause gefunden haben.
Ich weiß, dass solche Momente nichts daran ändern, dass weiterhin Tiere auf Vermittlung warten. Sie zeigen aber, warum die Arbeit überhaupt gemacht wird. Hinter jeder erfolgreichen Vermittlung steht schließlich ein Tier, für das sich das Leben tatsächlich verändert hat. Vielleicht sogar deswegen, weil seine neue Familie auf einem Tierheimfest aufmerksam wurde.
Ja, ich bin auch nächstes Jahr wieder dabei!
Wenn ich an meine Besuche auf Tierheimfesten und bei der Listimania zurückdenke, bleibt aus den genannten Gründen kein ausschließlich trauriges Gefühl. Eher im Gegenteil.
Natürlich beschäftigen mich manche Gedanken anschließend noch und wahrscheinlich gehört das ein oder andere „Warum muss das so sein?“ dazu, wenn Tiere im eigenen Leben eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig finde ich es schön zu sehen, wie viele Menschen sich engagieren und wie viel Arbeit im Hintergrund geleistet wird.
Vielleicht muss ein Tierheimfest deshalb auch gar nicht „nur traurig“ oder „nur fröhlich“ sein. Man darf dort einen schönen Nachmittag verbringen, etwas essen, an Ständen stöbern und lachen. Gleichzeitig darf es berühren, wenn man daran denkt, warum ein bestimmtes Tier dort sitzt oder wie schwer es manche Hunde aufgrund zusätzlicher Vorurteile bei der Vermittlung haben.
Fest steht: Tierschutz braucht nicht nur die Menschen, die jeden Tag direkt mit den Tieren arbeiten. Er braucht ebenso Menschen, die hinschauen, sich informieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.
Dafür muss niemand beim nächsten Tierheimfest einen neuen Mitbewohner adoptieren. Manchmal reicht für den Anfang schon die Erkenntnis, dass Wegsehen eben auch eine Entscheidung wäre.






