Der Februar kann für Menschen, die eher introvertiert sind, zu einer echten Tortur werden. Manche planen ausgiebig den Valentinstag, an dem sie ihren Partner oder ihre Partnerin von einer romantischen Location zur anderen entführen wollen. Andere haben schon alle Karnevalspartys der Stadt im Kalender eingetragen und fragen sich immer wieder, was sie wann anziehen wollen.
Um die große Überraschung vorwegzunehmen: Ich habe beides in meinem Bekanntenkreis. Auf der einen Seite die Brachialromantiker, die am Abend des 13. Februar schnell noch die letzten Helium-Luftballons aufpumpen, um perfekt auf den 14. vorbereitet zu sein, und die Karnevalsjecken, die prophylaktisch um Rosenmontag zwei Wochen Urlaub eingereicht haben.
Und ich?
Ich kann noch nicht einmal sagen, dass ich „irgendwo dazwischen“ liege. Nein. Ich möchte meine Ruhe. Ich gönne anderen ihren Spaß, kann (und werde) aber auch in diesem Jahr auf die großen (und die kleinen) Partys verzichten. Warum? Weil ich es kann. Und weil es okay ist.
Mein Februar ist und bleibt ruhig
… auch, wenn mir schon viele genau deswegen versucht haben, ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich habe schon alles gehört. Für manche war ich ein Spielverderber. Andere meinten, ich hätte in der Vergangenheit nur noch nicht die passende Party gefunden.
Die gute Nachricht ist allerdings, dass ich mich selbst am besten kenne. Ich weiß, was mir guttut und was nicht.
Und ich habe absolut kein Problem damit, genau das auch zu vertreten. Einen ruhigen Februar zu genießen, bedeutet allerdings auch nicht, dass ich mich bis Aschermittwoch einschließe und hoffe, nicht in den Konfetti-Regen zu kommen.
Wenn alle auf den Straßen feiern, zieht es mich ins malerische Sauerland. Und bevor böse Zuschriften kommen: Ja, ich weiß, dass man hier auch Karneval, Fasching oder was auch immer feiert. Daher verschlägt es mich in ein kleines 30 Seelen-Dorf. Genauer gesagt: nach Obermarpe.
Obermarpe ist das, was ich als meinen Wohlfühlort beschreiben würde. Hier gibt es Pferde, Schafe, Katzen und Co. und in einem Umkreis von etwa 5 Kilometern kein „Uff-tata“.
Wenn andere feiern und man selbst seine inneren Batterien auflädt
Natürlich ist jeder Mensch anders. Manche erholen sich beim Feiern. Andere (so wie ich) brauchen Erholung NACH dem Feiern. Daher wäre es falsch, jedem zu raten, in der Zeit zwischen Altweiber und Aschermittwoch entspannt auf dem Feld zu chillen.
Manche zieht es eben mehr in die Ferne, zum Beispiel zu einem Tauchurlaub, andere auf den Bauernhof.
Aber dass genau das vollkommen fein ist und dass ich niemandem deswegen Rechenschaft schuldig bin, wie ich am liebsten meine Zeit verbringe, musste ich lernen.
Und wer hat dabei geholfen? Jemand, der mich eigentlich noch nie betrogen hat: mein Bauchgefühl.
(Rückblick) Mein erster Rosenmontag in Düsseldorf: Laut und anstrengend (… und ja, auch unvergesslich)
Es gibt einfach Dinge, die man einmal im Leben mitgemacht haben sollte. Der Düsseldorfer Karneval gehört sicherlich dazu. Genau das habe ich mir immer wieder gesagt, als ich mit meiner Freundin Kostüme geshoppt habe.
Matrosin? Oder doch Biene? Oder Horrorclown? Zugegeben: Die Auswahl in meinem Kopf war so bunt wie meine Gefühle. Ich wusste, dass ich spätestens nach der zweiten Polonaise keine Lust mehr haben würde. Ich bin nicht wirklich introvertiert, aber ich mag es, meine Ruhe zu haben.
Es gibt, zumindest meiner Meinung nach, einen großen Unterschied zwischen Allein- und Einsam- sein. Alleinsein (bzw. von meinen Engsten) umgeben zu sein, macht mir Spaß.
Aber ich bin natürlich mitgenommen. Große Karnevalsfeier. Spätestens eine Stunde nachdem sich die Pforten geöffnet hatten, hatten die meisten Gäste zweifelsohne „the time of their life“. Ich eher weniger. Ich schaue auf die Uhr. Ach, schon… 21.30 Uhr… murmle ich.
Ich habe durchgezogen und meine Freundin nach Hause gefahren.
Irgendwann so gegen 3 Uhr habe ich im Bett gelegen und mir geschworen, dass das meine letzte Karnevalsparty war. Nicht, weil ich nicht gern feiern würde. Sondern vielmehr, weil ich dann feiern möchte, wenn ICH Lust darauf habe. Nicht, weil mir der Kalender sagt, dass jetzt Rosenmontag ist und ich gute Laune haben MUSS, sondern weil der Rahmen für MICH stimmt.
Feiern ist okay, nicht feiern aber auch
Ich muss zugeben, dass ich hier früher etwas engstirniger unterwegs war. Ich habe immer wieder betont, wie „affig“ ich es finde, wenn Menschen das ganze Jahr über schlechte Laune haben und an Karneval die berühmte Sau rauslassen müssen.
Heute denke ich mir: „Und wenn? Was geht es mich an?“ – Und soll ich euch was sagen? Es stimmt? Wie kann ich auch nur ansatzweise auf die Idee kommen, von anderen Toleranz für mein „Nein, danke, für mich keine Schunkel-Einheit!“ aufzubringen, wenn ich selbst so viele Vorurteile habe.
Klar hat es Vorteile, im Februar ausgiebig die 5. Jahreszeit zu feiern. Man lernt Gleichgesinnte kennen, kommt raus und verabschiedet sich zumindest kurzzeitig von seinem Smartphone – zumindest, wenn man es schafft, nicht direkt jeden Schnappschuss zu posten.
Ich hingegen weiß, dass ich an Karneval wieder auf der Couch sitzen werde. Entweder im Sauerland oder hier in Düsseldorf. Nicht, weil ich es müsste, sondern weil ich es darf und kann.
Darum eignet sich der Februar super für ein wenig „Me-Time“
An manchen Tagen im Februar riecht es schon nach Frühling. Trotzdem sorgt vor allem die Tatsache, dass es immer noch so früh dunkel wird, bei mir dafür, dass ich ganz sicher nicht vergesse, dass der Winter noch voll da ist.
Und genau jetzt, möchte mein Körper (und meine Seele), dass ich ihm die Ruhe gönne, die er braucht… und einfordert.
Letztes Jahr habe ich während dieser Zeit Yoga für mich entdeckt. In diesem Jahr werde ich die Karnevalstage nutzen, um mir ein Vision-Board zu erstellen. Ja, ich weiß… das macht man eigentlich zu Silvester… blablabla. Und jetzt? Silvester hatte ich keine Zeit. Da war ich zu sehr mit Entspannen beschäftigt… während andere gefeiert haben. Ach, sieh mal einer an. Die Geschichte wiederholt sich… macht mich aber auch zwei Monate später nicht weniger glücklich.
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